22.06.2026
Kanzleien der Zukunft

Die besten KI-Tools für Steuerkanzleien 2026: Anbieter im Vergleich

Übersichtsgrafik mit sechs KI-Einsatzfeldern für Steuerkanzleien: Mandantenkommunikation, Belegnachforderung, Bescheidprüfung, BWA und Auswertung, Wissensdatenbank und Recherche, Dokumentenauswertung

An einem Dienstag im Frühjahr liegen drei Angebote nebeneinander auf dem Schreibtisch der Kanzleileitung. Ein Fachverlag bewirbt eine Recherche-KI, die im Paketpreis der Datenbank schon enthalten sein soll, und ein junger Anbieter verspricht eine KI-Assistenz, die offene Belege selbst beim Mandanten anfordert. Das dritte Angebot hat niemand ausgesucht. Eine Mitarbeiterin nutzt seit Wochen einen allgemeinen Chatdienst, den sie sich selbst eingerichtet hat, weil sie damit Anschreiben in der halben Zeit formuliert. Vergleichbar ist an den drei Angeboten fast nichts. Sie bearbeiten verschiedene Vorgänge und berühren die Verschwiegenheitspflicht unterschiedlich stark. Einen Weg in die DATEV-Umgebung hat nur eines davon.

Daran scheitern die meisten Tool-Listen. Sie reihen Produktnamen aneinander, ohne zu trennen, für welche Aufgabe ein Werkzeug gebaut wurde. Diese Übersicht sortiert deshalb nach Einsatzfeld und stellt an jedes Angebot dieselben Fragen, die auch Berufskammer und Berufsverband stellen. Aufgenommen sind 16 Angebote, von der KI im MyDATEV-Arbeitsplatz über die Assistenten der Fachverlage bis zu den allgemeinen Chatdiensten, die in vielen Kanzleien längst mitlaufen, ohne je freigegeben worden zu sein.

Wie diese Übersicht vergleicht

Zwei berufsständische Papiere geben den Rahmen vor. Der FAQ-Katalog der Bundessteuerberaterkammer zum KI-Einsatz (Stand 27. Januar 2026, abgerufen am 08.09.2026) ordnet KI als Werkzeug und Sparringspartner ein und verlangt für wichtige Arbeitsergebnisse ein Vier-Augen-Prinzip, weil ein zweites Augenpaar Unstimmigkeiten oft entdeckt. Die Muster-KI-Anwendungsrichtlinie des DStV (Stand April 2026, abgerufen am 08.09.2026) macht daraus ein Prüfschema aus Tool, Anwendungsfall, Daten und Risiko. Eingesetzt werden darf KI erst, wenn das Tool freigegeben ist, der konkrete Anwendungsfall definiert ist und die Anforderungen der jeweiligen Risikostufe eingehalten werden.

Daraus ergeben sich die Prüffragen, an denen jedes Angebot in der Tabelle gemessen wird. Sollen mandatsbezogene Daten in ein externes System fließen, braucht die Kanzlei einen Auftragsverarbeitungsvertrag und eine Verschwiegenheitsvereinbarung nach § 62a StBerG. Ohne beides bleibt nur der Weg über anonymisierte Inhalte, wie die Muster-Richtlinie in der Fassung von Haufe (Stand April 2026, abgerufen am 08.09.2026) festhält. Wo verarbeitet wird, zählt ebenso wie die vertragliche Zusicherung, dass kein unbefugter Dritter Zugriff erhält. Was mit den eingegebenen Inhalten geschieht, gehört geklärt, denn auch scheinbar abstrahierte Sachverhalte können Rückschlüsse auf konkrete Mandate oder Personen ermöglichen. Die Freigabe bleibt beim Menschen. Und der Einsatz muss dokumentierbar sein. Verlangt sind ein KI-Tool-Verzeichnis für die freigegebenen Systeme und ein Use-Case-Verzeichnis mit vier Risikostufen.

Eine Frage steht in keinem der beiden Papiere. Gibt es einen Weg in die DATEV-Umgebung, und welche Objekte laufen darüber? Fehlt dieser Weg, überträgt am Ende jemand Ergebnisse von Hand.

Noten vergibt diese Übersicht keine. Sie hält fest, was am 08.09.2026 auf den Anbieterseiten und in geprüften Marktübersichten belegt war, und benennt, wo eine Angabe unbelegt blieb. Die Seiten von TaxDome und Wolters Kluwer (ADDISON) sperren automatisierte Abrufe. Die Angaben zu beiden stammen deshalb aus Marktübersichten und sind im Text mit „laut" oder „nach Anbieterangaben" gekennzeichnet.

Welche KI-Tools für Steuerkanzleien gibt es 2026?

In der Tabelle steht je Anbieter, welche Einsatzfelder belegt sind, welcher Weg in die DATEV-Umgebung führt, wo die Daten verarbeitet werden und ob die Funktion läuft oder angekündigt ist. Preisangaben stehen im Fließtext und geben den Stand der jeweils genannten Quelle wieder, geprüft am 08.09.2026. Plattformpreise sind meist nicht öffentlich.

Anbieter
Einsatzfelder
DATEV-Weg
Datenverarbeitung
Status
DATEV Copilot
Schriftverkehr und Entwürfe, Übersetzung, Zusammenfassen hochgeladener Unterlagen
natives Produkt im MyDATEV-Arbeitsplatz
DATEV Cloud
live seit Mai 2026, kostenfreie Lizenz über den DATEV Shop
DATEV KI-Werkstatt
Zusammenfassungen, Prompt-Erstellung, Kurzberatung, Qualifizierung
natives Angebot für DATEV-Mitglieder
DATEV Cloud
Prototyp, Wechsel in die Pilotierung erst nach Rückmeldung der Mitglieder
milia.AI
Belegnachforderung, Bescheidprüfung, BWA und Auswertung, Mandantenkommunikation, Lohnauswertung nach milia-eigenen Angaben
sechs bidirektionale Integrationen: Stammdaten, DATEV Dokumente, Unternehmen und Belege online, DATEV Meine Steuern, DATEV Personal, DATEV Zuständigkeiten
ISO-27001-zertifizierte Rechenzentren in Deutschland
live, Preis nicht öffentlich
Steuerboard
Belegnachforderung, offene Posten, Recherche, Mandantenkommunikation
Belegbilderservice Rechnungswesen laut DATEV-Marktplatz. Dokumente bleiben bei diesem Weg außen vor
Deutschland laut Anbieterangaben
live, der Baustein Signals ist laut Anbieterangaben angekündigt
kanzlei.land
Belegupload und Vorkontierung, Mandantenkommunikation, Ablage
Marktplatz-Partner laut DATEV seit Mai 2020, Belegbilderservice und Lohnauswertungsdatenservice
deutsche Hochsicherheitsrechenzentren laut Anbieter
live, auf der Funktionsseite keine KI-Funktionen ausgewiesen
KanzleiDrive
Ablage und Austausch, E-Signatur, Mandats-Onboarding
direkte DATEV-Anbindung nach Anbieterangaben, in dieser Recherche ohne Marktplatz-Bestätigung
zertifizierte deutsche Rechenzentren nach Anbieterangaben, 2-Faktor-Anmeldung
live, auf der Startseite keine KI-Funktionen ausgewiesen
TaxDome
Ablage und Auswertung, Reportfunktion mit KI laut Marktübersicht
eigene DATEV-Anbindung seit 2026 nach Anbieterangaben, Umfang nicht unabhängig prüfbar
laut Anbieterseite nicht prüfbar, automatisierte Abrufe gesperrt
live nach Anbieterangaben, Preis nicht aktuell belegt
Candis
Rechnungseingang und Freigabe, Vorkontierung
Marktplatz-Partner, Buchungsdatenservice und Belegablage in DATEV Unternehmen online, also Belege, keine Dokumente
keine Standortangabe auf den geprüften Seiten
live, Preis nicht öffentlich
Haufe CoPilot Tax
Wissensdatenbank und Recherche
kein DATEV-Bezug gefunden
keine Angabe in der geprüften Quelle
live, laut Haufe ohne Zusatzkosten im Haufe Steuer Office
NWB KIRA
Wissensdatenbank und Recherche
kein DATEV-Bezug gefunden
keine Standortangabe gefunden
live, in den NWB-Kanzleipaketen enthalten
Deubner Tax KI
Wissensdatenbank und Recherche
kein DATEV-Bezug auf der Übersichtsseite
keine Angabe gefunden
live, 99 Euro im Monat zuzüglich Umsatzsteuer
GenIA-L by Stollfuß
Recherche, Mandantenschreiben, Gutachten, Checklisten
kein DATEV-Bezug auf der Produktseite
keine Angabe auf der Produktseite
live, Testzugang 99 Euro für drei Monate
Otto Schmidt Answers (Taxy.io)
Wissensdatenbank und Recherche
kein eigener DATEV-Bezug belegt, nach milia-eigenen Angaben als Integration eingebunden
EU-Hosting, DSGVO-konform nach Anbieterangaben
live, fünf Prompts pro Tag im Modul-Abonnement
ADDISON KI-Assistent
Bescheide und Gutachten zusammenfassen, Schriftverkehr, Mandantenkommunikation, alles laut Marktübersicht
kein DATEV-Bezug, eigene Kanzleisoftware
ausschließlich EU-Server laut Marktübersicht
live, ab 18,90 Euro im Monat laut Marktübersicht
Langdock
allgemeine Unternehmens-KI mit Chat, Assistenten und Anbindungen
keine DATEV-Anbindung auf der Anbieterseite erwähnt
EU-Hosting, kein Training mit Kundendaten nach Anbieterangaben
live, Steuerkanzleien nicht als eigene Zielgruppe genannt
Generische Assistenten (ChatGPT Team und Enterprise, Microsoft 365 Copilot)
Texterstellung, Zusammenfassungen, Recherche-Einstieg, Auswertung hochgeladener Unterlagen
keiner
in dieser Übersicht nicht gegen die Anbieterseiten geprüft
live, ohne Bezug zum deutschen Steuerrecht

Die Spalte Status trennt Verfügbarkeit von Ankündigung, was in Marktübersichten gern verschwimmt. Live steht für eine Funktion, die bestellbar ist und im Regelbetrieb läuft. Angekündigt steht für das, was ein Anbieter selbst als Prototyp, Beta oder Pilotphase beschreibt.

Wie hilft KI in der Mandantenkommunikation, ohne dass der Ton verloren geht?

Am Montagmorgen kommt eine Rückfrage zum Bescheid per Mail. Die Antwort steht im Vorgang, und die Kollegin, die den Vorgang bearbeitet, ist bis Mittwoch außer Haus.

Der DATEV Copilot erstellt Texte und übersetzt fremdsprachige Inhalte ins Deutsche, wobei die Verarbeitung nach Angabe von DATEV innerhalb der DATEV Cloud erfolgt. Mandantenkommunikation und Schriftverkehr zählen laut der Marktübersicht von tax & bytes (Stand Januar 2026, abgerufen am 08.09.2026) zu den Einsatzfeldern des ADDISON KI-Assistenten. milia.AI arbeitet mit hinterlegten Prompt-Vorlagen für wiederkehrende Aufgaben, etwa das Jahresabschluss-Anschreiben, und legt die Entwürfe im Vorgang ab (milia.AI, abgerufen am 08.09.2026).

Im Alltag zählt vor allem, wo der Entwurf landet. Ein Entwurf im persönlichen Postfach bleibt Wissen einer Person. Am Vorgang ist er für die Vertretung sichtbar, bevor er das Haus verlässt.

Ein zweiter Maßstab gilt für alle Angebote in diesem Feld gleichermaßen, nämlich die Freigabe vor dem Versand. milia.AI hält auf der eigenen Produktseite fest, dass kein KI-generierter Inhalt ohne Freigabe an Mandanten versendet wird. Für den DATEV Copilot und den ADDISON KI-Assistenten findet sich eine vergleichbare Zusage weder auf der Anbieterseite noch laut Marktübersicht, was nichts darüber sagt, ob es sie gibt. Verlangt wird die Freigabe ohnehin von der Kanzlei, unabhängig vom Werkzeug.

Welche KI-gestützten Workflows lohnen sich für eine Steuerkanzlei am meisten?

Am Quartalsende steht auf dem Klärungskonto eine Reihe offener Posten, und hinter jedem hängt ein Beleg, den jemand beim Mandanten anfordern muss.

Dieser Ablauf wiederholt sich jeden Monat und hängt bislang an Menschen, was ihn zum lohnendsten Kandidaten für Automatisierung macht. Steuerboard beschreibt auf der eigenen Startseite eine KI-Assistenz, die fehlende Belege identifiziert und laut Anbieterangaben mit Mandanten interagiert, während milia.AI nach Angabe des Anbieters auf Knopfdruck die offenen Posten in DATEV ausliest und daraus eine Aufgabe für den Mandanten erstellt. Ein hinterlegter Workflow fordert fehlende Belege je Mandat an und erinnert selbstständig nach (milia.AI). Am Ende der Kette steht Candis, das laut Anbieterangaben Rechnungseingang, Erfassung, Freigabe und Export automatisiert und die Belege in DATEV Unternehmen online ablegt (DATEV-Marktplatz zu Candis, abgerufen am 08.09.2026). Das ist der Belegweg, nicht der Weg für Dokumente.

Der Unterschied zwischen diesen Angeboten liegt im Rückweg. Eine Erinnerung zu verschicken ist schnell erledigt. Welche Werkzeuge eine Kanzlei dafür wirklich braucht, ordnet der Beitrag Hundert KI-Werkzeuge ein. Den hochgeladenen Beleg so in die Buchhaltung zu bekommen, dass niemand ihn ein zweites Mal anfasst, und den offenen Posten im selben Zug zu schließen, dauert länger.

Welche KI-Anwendungsfälle sparen Steuerberatern am meisten Zeit?

Jemand legt einen Steuerbescheid neben die eingereichte Erklärung und vergleicht Position für Position. Die Prüfung eines Steuerbescheids gegen die eingereichte Erklärung ist der Musterfall, monoton im Abgleich und mit einer Frist im Nacken.

Das Zusammenfassen von Bescheiden, Gutachten und Urteilen zählt laut der Marktübersicht von tax & bytes zu den Funktionen des ADDISON KI-Assistenten. milia.AI führt die Bescheidprüfung nach Angabe des Anbieters als hinterlegte Prompt-Vorlage für wiederkehrende Aufgaben. Wie ein solcher Ablauf von der Bescheidabholung bis zur Fristnotiz aussieht, beschreibt der Beitrag zur Bescheidprüfung bei der Einkommensteuer Schritt für Schritt. Beide Angebote bereiten damit einen Abgleich vor, den anschließend eine fachkundige Person bewertet.

Was leisten KI-Tools bei BWA und Auswertungen?

Steuerboard führt das Management offener Posten laut Anbieterangaben als eigenen Produktbaustein. milia.AI prüft nach Angabe des Anbieters die Buchhaltung auf Vollständigkeit, fordert fehlende Belege beim Mandanten an und stellt die BWA-Auswertung bereit, sobald der Mandant erledigt hat. Für TaxDome nennt die Toolseite von tax & bytes (Stand September 2024, abgerufen am 08.09.2026) eine KI-unterstützte Reportfunktion. Die Anbieterseite selbst sperrt automatisierte Abrufe, sodass der Funktionsumfang von außen nicht prüfbar ist.

Jede BWA ist nur so gut wie die Buchhaltung darunter. Deshalb setzen diese Angebote eine Stufe vor der Auswertung an.

Zur Lohnauswertung gibt milia an, dass milia.AI auch dort unterstützt. Die Angabe stammt aus milia-eigenen Unterlagen und steht so nicht auf den öffentlichen Produktseiten.

Welches KI-Tool eignet sich für die steuerrechtliche Recherche?

Der CoPilot Tax von Haufe (Stand 05.06.2024, abgerufen am 08.09.2026) ist laut Haufe ohne Zusatzkosten in alle Versionen des Haufe Steuer Office integriert. Für dasselbe Paket nennt die DStV-Marktübersicht zu elf KI-Tools (Stand 28.01.2026, abgerufen am 08.09.2026) rund 99 Euro im Monat. NWB KIRA beantwortet Fachfragen in zwei Schritten, erst die Quellenauswahl mit Textausschnitten, dann die Antwort auf Basis der gewählten Quellen. Das Werkzeug steckt in allen Kanzleipaketen, vier Wochen lassen sich kostenlos testen, und dieselbe DStV-Übersicht nennt ab rund 61 Euro im Monat. Otto Schmidt Answers antwortet ausschließlich auf Basis der Literatur des Verlags und ist mit fünf Prompts täglich im Modul-Abonnement enthalten. Das Steuerrecht-Modul kostet 540 Euro für drei Monate. GenIA-L von Stollfuß greift auf über 1,3 Millionen Fachtexte zu und erstellt daraus auch Mandantenschreiben, Gutachten und Checklisten, im Testangebot für 99 Euro über drei Monate. Deubner Tax KI (Stand August 2026, abgerufen am 08.09.2026) recherchiert mit redaktionell geprüften Quellenverweisen und kostet 99 Euro im Monat zuzüglich Umsatzsteuer.

Diese Assistenten arbeiten auf einem geschlossenen, redaktionell gepflegten Bestand, weshalb die Fachverlage in diesem Einsatzfeld vorn liegen.

Im Alltag trennen die Angebote vor allem die Bibliothek und die Fundstelle. Eine Kanzlei, die seit Jahren mit einem Verlag arbeitet, bekommt Antworten aus dem Bestand, den ihr Team ohnehin zitiert. Und ohne Fundstelle unter der Antwort lässt sich nichts prüfen.

Generischen Assistenten fehlt genau diese Fundstelle, und einen Aktualisierungszyklus wie bei einem Fachverlag haben sie ebenfalls nicht.

Welche KI-Tools helfen einer Steuerkanzlei beim Auswerten und Sortieren von Dokumenten?

Im selben Upload-Ordner wie die Belege der letzten Buchung landet ein eingescannter Bescheid, und jemand muss ihn von Hand in die richtige Ablage sortieren. Hier lohnt eine Unterscheidung, die im Marketing fast aller Anbieter untergeht. Ein Beleg ist ein Buchungsbeleg für das Rechnungswesen, also die Rechnung oder der Kontoauszug. Ein Dokument ist ein Vertrag, ein Bescheid, ein Jahresabschluss, ein Schriftwechsel. In der DATEV-Welt laufen beide über verschiedene Wege, Belege über Belege online und den Belegkorb, Dokumente über DATEV Dokumente. Über DATEV Unternehmen online ist Dokumentenaustausch nicht möglich. Der Weg ist dafür schlicht nicht vorgesehen. Welche Anbindungen ein Drittanbieter überhaupt bekommt, listet der DATEV-Marktplatz je Anbieter auf, laut Eintrag zu kanzlei.land (abgerufen am 08.09.2026) etwa den Belegbilderservice Rechnungswesen und den Lohnauswertungsdatenservice.

Bei der Auswertung selbst gehen die Anbieter verschiedene Wege. Der DATEV Copilot nimmt hochgeladene Unterlagen entgegen und strukturiert oder fasst sie in wenigen Sekunden zusammen, laut DATEV (abgerufen am 08.09.2026) seit Mai 2026 im MyDATEV-Arbeitsplatz verfügbar. Für den ADDISON KI-Assistenten nennt die Marktübersicht von tax & bytes das Zusammenfassen von Bescheiden, Gutachten und Urteilen. milia bindet DATEV Dokumente als eine von sechs bidirektionalen Integrationen ein und arbeitet damit zusätzlich auf dem Dokumentenweg. Die generischen Assistenten können Dateien analysieren, kennen aber weder Mandat noch Vorgang noch Bearbeiter.

Anders setzen die Plattformen an, nämlich bei der Ablage. kanzlei.land erlaubt laut Anbieter den Upload von Belegen per Computer, Tablet oder Smartphone und hostet in deutschen Hochsicherheitsrechenzentren. KI-Funktionen weist die Funktionsseite nicht aus. KanzleiDrive beschreibt nach Anbieterangaben das digitale Teilen, Sammeln und Archivieren samt E-Signatur, ebenfalls ohne ausgewiesene KI-Funktion.

Was DATEV selbst anbietet und wo ein Drittanbieter ergänzt

Bei DATEV selbst lohnt der Blick auf den Unterschied zwischen Produkt und Prototyp. Der DATEV Copilot steht seit Mai 2026 in MyDATEV als zentraler KI-Assistent zur Verfügung, bündelt Websuche, den lizenzpflichtigen DATEV LEXchat und den Service-Assistenten und setzt eine kostenfreie Lizenz aus dem DATEV Shop voraus. Die DATEV KI-Werkstatt (abgerufen am 08.09.2026) sammelt dagegen Prototypen, deren Status sich erst ändert, wenn die Resonanz der Mitglieder zeigt, dass ein Prototyp im Kanzleialltag trägt.

Ein Prototyp ist keine bestellbare Funktion.

Daneben führt die Marktübersicht von tax-tech.de (Stand Juni 2026, abgerufen am 08.09.2026) die DATEV Automatisierungsservices und die DATEV Datenprüfung als reguläre Angebote und nicht als Prototypen.

Ein Drittanbieter ergänzt DATEV dort, wo die Zusammenarbeit mit dem Mandanten stattfindet. milia ist nach eigenen Angaben autorisierter DATEV-Schnittstellenpartner und nennt sechs bidirektionale Integrationen, nämlich Stammdaten, DATEV Dokumente, Unternehmen und Belege online, DATEV Meine Steuern, DATEV Personal und DATEV Zuständigkeiten. Über den Belegweg allein wäre der Zugriff auf Dokumente nicht möglich. Entscheidend ist die Bidirektionalität. Ein Ein-Weg-Belegtransfer bildet nur einen Teilbereich ab. Sobald Stammdaten und Rückfragen dazukommen, entstehen Medien- und Systembrüche, und ein durchgängiger Ablauf vom Anfordern bis zum fertigen Buchungsstapel ist damit nicht möglich.

Für die Auswahl folgt daraus eine Reihenfolge. Wer bereits mit DATEV arbeitet, prüft zuerst, was der Copilot im eigenen Arbeitsplatz abdeckt, und sucht erst danach eine Ergänzung für das, was dort nicht stattfindet. Eine Gegenüberstellung der Plattformen für diesen zweiten Schritt steht im Anbietervergleich.

Was sollte eine Steuerkanzlei bei der Auswahl einer KI-Software beachten?

Eine Reihenfolge liefert die DStV-Richtlinie gleich mit. Zuerst wird das Tool freigegeben, dann der Anwendungsfall definiert, dann die Datenart bestimmt, dann die Risikostufe festgelegt. Kanzleien, die diese Reihenfolge umdrehen und erst nach der Einführung über Anwendungsfälle sprechen, holen die Freigabe im Nachhinein nie sauber nach.

Vertraglich braucht es für mandatsbezogene Daten einen Auftragsverarbeitungsvertrag und eine Verschwiegenheitsvereinbarung nach § 62a StBerG. Nach der Muster-Richtlinie dürfen ohne beides nur anonymisierte oder nicht identifizierbare Inhalte in ein externes System fließen, und die Anonymisierung ist anspruchsvoller, als sie klingt, weil abstrahierte Sachverhalte Rückschlüsse auf konkrete Mandate zulassen können. Diese Hürde erklärt, warum ein privat angelegter Zugang zu einem allgemeinen Chatdienst berufsrechtlich problematisch ist, unabhängig davon, wie gut die Ergebnisse klingen.

Beim Hosting zählt die vertragliche Zusicherung mehr als die Landesfahne auf der Website. Eine Angabe wie ISO-27001-zertifizierte Rechenzentren in Frankfurt, wie milia sie für die eigene Verarbeitung nennt, beschreibt den Ort und den geprüften Betrieb der Rechenzentren. Über die Software darin sagt sie nichts. Fragen Sie beim Anbieter nach, worauf sich ein Zertifikat konkret bezieht.

Das KI-Tool-Verzeichnis und das Use-Case-Verzeichnis mit vier Risikostufen sind Dauerpflichten und keine Einführungsaufgabe. Jedes neue Werkzeug und jeder neue Anwendungsfall gehört dokumentiert, und die Kanzlei braucht eine Person, die beide Verzeichnisse pflegt. Ohne benannte Zuständigkeit verfällt die schönste Richtlinie innerhalb eines Quartals.

Was KI in der Kanzlei rechtlich und organisatorisch verlangt, führt der Leitfaden zu künstlicher Intelligenz in der Steuerberatung im Zusammenhang aus. Bleibt der Preis. Öffentlich sind vor allem die Angebote der Fachverlage. Der DATEV Copilot setzt eine kostenfreie Lizenz voraus. Plattformpreise hängen an Kanzleigröße und Modulwahl und stehen selten auf der Website. Der Aufwand für Freigabe, Dokumentation und Einführung fällt einmal an und verteilt sich erst ab einer gewissen Teamgröße auf genug Vorgänge.

Was kein KI-Tool der Kanzlei abnimmt

Die fachliche Bewertung bleibt beim Menschen. Ein Assistent kann einen Bescheid gegen die Erklärung stellen und Abweichungen markieren. Ob eine Abweichung ein Fehler des Finanzamts, eine bewusste Abweichung oder ein eigener Erfassungsfehler ist, entscheidet die Berufsträgerin.

Zeit kostet auch die Freigabe, denn sie ist ein eigener Arbeitsschritt. Der Entwurf wird gelesen, die Zahlen werden gegen die Quelle geprüft, die Formulierung wird angepasst, dann geht die Nachricht raus. Die BStBK verlangt für wichtige Arbeitsergebnisse zusätzlich ein zweites Augenpaar, weil eine KI-Assistenz überzeugend klingende Falschaussagen einbauen kann. Nach der DStV-Richtlinie darf ein Werkzeug ohnehin erst laufen, wenn es freigegeben und der Anwendungsfall definiert ist.

Auch die Verschwiegenheitspflicht nimmt kein Werkzeug ab. Abgesichert wird sie vertraglich, durch den Auftragsverarbeitungsvertrag und die Verschwiegenheitsvereinbarung nach § 62a StBerG, und beides schließt die Kanzlei ab.

Die Haftung wandert ohnehin nicht mit. Kein Anbietervertrag verschiebt die berufsrechtliche Verantwortung für ein Arbeitsergebnis vom Berufsträger auf ein Werkzeug.

Kein Werkzeug bringt außerdem einen Mandanten dazu, mitzumachen. Ein Portal, in dem niemand hochlädt, verschiebt die Belegnachforderung zurück ins Telefonat.

Häufige Fragen

Welche KI eignet sich für die Steuererklärung?

Bei der Steuererklärung von Privatpersonen sind allgemeine Steuer-Apps und ELSTER-nahe Werkzeuge im Gespräch. In der Kanzlei geht es um etwas anderes. Dort dominieren die Fachverlags-Assistenten wie Haufe CoPilot Tax, NWB KIRA, Otto Schmidt Answers, Deubner Tax KI und GenIA-L sowie die DATEV-eigenen Angebote um den Copilot. Die eigentliche Erklärung erstellt weiterhin die Kanzleisoftware. Die KI unterstützt bei Recherche, Prüfung und Schriftverkehr.

Wie kann KI im Steuerrecht eingesetzt werden?

Routineaufgaben wie das Erfassen und Prüfen von Umsatzsteuerdaten lassen sich automatisieren. Recherche und Zusammenfassungen zu Urteilen und Verwaltungsschreiben gehen schneller. Entwürfe für Mandantenschreiben und Einsprüche entstehen vorbereitet. Und Bescheide lassen sich auswerten und gegen die eingereichten Daten stellen. Der DATEV Copilot etwa strukturiert oder fasst hochgeladene Unterlagen laut DATEV in wenigen Sekunden zusammen. Geprüft und verantwortet wird jedes Ergebnis von einer fachkundigen Person.

Welches Programm benutzen Steuerberater?

In Deutschland ist DATEV die dominante Kanzleisoftware. Laut den geprüften Marktübersichten werden ergänzend oder alternativ ADDISON von Wolters Kluwer, Simba oder Stotax genannt. Eine belastbare Prozentzahl zum Marktanteil gibt es in den geprüften Quellen nicht. Kursierende Werte stammen aus Blog-Zusammenfassungen ohne Primärstudie. Für die Tool-Auswahl ist die Frage ohnehin zweitrangig. Entscheidend ist der Weg eines KI-Werkzeugs in die vorhandene Kanzleisoftware.

Werden Steuerberater durch KI ersetzt?

Nach dem FAQ-Katalog der Bundessteuerberaterkammer ist KI ein Werkzeug und Sparringspartner, ausdrücklich kein Ersatz fachlicher Expertise. KI übernimmt Routine, also Abgleiche, Zusammenfassungen, Entwürfe und Erinnerungen. Die DStV-Muster-Richtlinie verlangt darüber hinaus, dass jedes KI-Ergebnis von einer fachkundigen Person geprüft und freigegeben wird, bevor es in Bescheide, Mandantenschreiben oder Beratungsdokumente einfließt.

Was kostet ein KI-Tool für die Steuerkanzlei?

Öffentlich sind vor allem die Preise der Fachverlage. Die DStV-Marktübersicht (Stand 28.01.2026) nennt NWB KIRA ab rund 61 Euro im Monat und Haufe CoPilot Tax mit rund 99 Euro im Monat für das Paket, das laut Haufe ohne Zusatzkosten im Haufe Steuer Office enthalten ist. Deubner Tax KI kostet 99 Euro im Monat zuzüglich Umsatzsteuer, GenIA-L im Testzugang 99 Euro für drei Monate, das Steuerrecht-Modul von Otto Schmidt 540 Euro für drei Monate. Der DATEV Copilot setzt eine kostenfreie Lizenz voraus. Plattformpreise sind meist nicht öffentlich.

Braucht eine Kanzlei für ein KI-Tool einen Auftragsverarbeitungsvertrag?

Sobald personenbezogene oder mandatsbezogene Daten in ein externes System fließen, ist ein Auftragsverarbeitungsvertrag mit dem Anbieter erforderlich, ergänzt um eine Verschwiegenheitsvereinbarung nach § 62a StBerG. Ohne diese Grundlage dürfen nur anonymisierte und nicht identifizierbare Inhalte eingegeben werden. Die DStV-Muster-Richtlinie verlangt zusätzlich, den freigegebenen Tool-Bestand und die zugelassenen Anwendungsfälle schriftlich zu führen.

Eine Auswahl, die im Kanzleialltag hält

Diese Tabelle beantwortet die Frage nach dem Angebot. Offen bleibt, welcher Vorgang in Ihrer Kanzlei zuerst Entlastung braucht und wie viel Freigabezeit Ihr Team dafür einplanen muss. Das milia-Whitepaper führt durch beide Fragen, mit den Kriterien aus BStBK und DStV als Prüfraster. Whitepaper ansehen.